Ich bin nicht auf dem #29C3. Das ist vielleicht die wichtigste Vorbemerkung zum Artikel. Ich sitze in Berlin in der C-Base und schaue mir die Live-Streams an, folge vielen Menschen, die vor Ort sind, auf Twitter und lese nachbereitende Blogartikel.

Dieses Jahr ist das Thema Sexismus, was auf den letzten Kongressen, für viele wahrscheinlich unterschwellig, schon immer anwesend war, sehr präsent. Vor allem, weil es halb-organisierte Strukturen gibt, die systematisch Übergriffe jeder Art, deutlich anprangern und Verfahrensweisen vorschlagen (die rot/gelb/grünen Karten z.B.). Das ist, so weit ich es beurteilen kann, eine gewachsene, aber insgesamt neue Qualität. Folgender Effekt: es gibt nicht mehr (Alltags-)Sexismus als vorher, er wird nur durch die kontinuierliche Arbeit offensichtlicher. Das fühlt sicher bei vielen zu einem gefühlten Ansteigen und den vor der Brust verschränkten Armen: “Kann ich mir gar nicht vorstellen, dass das so schlimm ist, war doch bisher immer entspannt.” Nein, war es nicht. Der Kongress ist, im Großen und Ganzen, ein Abbild der Gesellschaft. Und die ist nicht entspannt.

Haupt- und Nebenkonflikt?

Eine Hackerbewegung ist mehr als nur ein einziger gesellschaftlicher Kampf, viel mehr besteht er aus vielen Konflikte, die überall ineinandergreifen. Wenn man sich den Fahrplan des Kongresses anschaut, dann sieht man, das es um Datenfreiheit, um Transparenz, um Anti-Militarismus und um vieles mehr geht. Die Besucher_innen lassen sich darauf ein, bauen ein konstruktiven Diskurs über die Konfliktfelder auf, wägen Pros- und Contras ab. Bei Sexismus scheint das nicht zu passen, es werden Fronten aufgebaut, weil man(n) sich in seiner Persönlichkeit angegriffen fühlt – weil die Konflikte, die sonst ganz abstrakt behandelt werden, auf einmal extrem real sind? Weil man nicht auf der Seite der Guten (?!) steht? Weil der eigene Lebensentwurf komplett in Frage steht? Ganz ehrlich: tut er nicht. Es ist großartig, was die netzpolitische und Hacker-Bewegung auf der Welt leistet. Viel mehr als alle anderen sozialen Bewegungen hat sie ihr Wissen genutzt, um die Bedingungen zu verändern mit Annahmen, die auf gesellschaftlichen Idealen basieren. Der Schritt zum antisexistischen Verhalten ist da nicht weit. Die Auflösung von Privilegien und/oder Diskriminierung aufgrund von unterschiedlichen körperlichen oder sozial-konstruierten Geschlechtern (sex & gender) ist ebenso ein gesellschaftliches Ideal. Die bestehenden Verhältnisse gilt es zu hacken. Das heißt nicht, dass man mit allem, was an Input aus der feministischen Bewegung kommt, konform gehen muss. Aber wenn man konstruktiv damit umgehen will, muss man sich zwangsläufig erstmal mit dem eigenen Verhalten beschäftigen. Das heißt, man muss auf Augenhöhe kommen, und das tut man nicht, in dem man aktiv durch den eigenen beschissenen Humor Menschen herabwürdigt und ihnen das Gefühl gibt: “Verpiss dich aus meinem Revier.” Und das macht man auch nicht, indem man passiv solches Verhalten stützt. Das Jeopardy der gestrigen Nacht hat beides sehr gut vor Augen geführt. Der Idiot auf der Bühne. Eine schweigende Masse. Und die tollen Menschen, die es begriffen haben und gleichzeitig den Sinn der CreeperCards sehr schön demonstriert haben: als simples Zeichen für “Es ist Zeit, deine Fresse zu halten, einen Gang runterzuschalten und die Situation zu reflektieren.” Es ist kein weiter Weg, diesen Schritt nach vorne zu machen und es ändert euer Leben nicht. Aber es macht das Leben im Endeffekt schöner. Eigentlich braucht man diese ganzen Privilegien nämlich nicht.

Wenn man erstmal auf dem Niveau angekommen ist, dass die Basics aktzeptiert werden und man sich hinsetzt und anfängt zu reden statt zu haten, dann kann man weiter gehen. Dann kommt man sicherlich auf Konfliktpunkte wie eine weitgehend akademische Sichtweise des Feminismus in der Hackerbewegung, auf die Frage nach Praktikabilität in sozialen Kämpfen, nach Modalitäten, nach Ausfransungen, man kommt zu all den kleinen Debatten, die ansonsten auch im Feintuning die restlichen Kongressthemen bestimmen. Frei nach Refpolk im Song “Einige meiner besten Freunde sind Männer“: Sieh mich als ein Prozess voller Zweifel am Keyboard, denn Befreiung heißt für mich auch die Suche nach Alternativen zum “Mann”. Wenn man aber keinen gleichberechtigen Raum zur Diskussion zur Verfügung stellt, dann kann man auch nicht erwarten, dass irgendwer darauf Bock hat sich auf eine Debatte einzulassen, in der man konstant als geringwertig eingeschätzt wird. Ich selber bin kein Feminist. Aber ich hab sehr schnell kapiert, dass mir niemand in meinen bevorzugten politischen Tätigkeitsfeldern zuhört, wenn ich nicht bereit bin, mich an einem bestimmten Grundkonsens zu halten. Und die Perspektive hat mir bisher nur Gutes gebracht in meiner kritischen Reflexion von Macht, Herrschaft und Gesellschaft. Das wirkt sich auch positiv auf die politische Arbeit in anderen Bereichen aus. Bildet euch, bildet Banden.

Atmosphäre der Angst

… und dann ist da noch die Sache mit den Idioten, die meinen, eine Gegenbewegung starten zu müssen. Ihre Männlichkeit, ihren guten Ruf, ihre gesellschaftlichen Privilegien zu verteidigen, indem sie die Realdaten von Aktivistinnen im Netz veröffentlichen. Das verunmöglicht jede Form von konstruktivem Diskurs. Es wird ein Atmosphäre der Angst erzeugt, die Menschen davon abhält, sich zu äußern. Ich habe lange überlegt, ob ich Bock darauf habe, zu dem Thema etwas zu schreiben, weil die Chance nicht klein ist, dass ich auf irgendeiner “femnazi watchblog liste” (wtf?!) lande.  Das Veröffentlichen von Daten ist ein politisches Kampfmittel. Es macht in meinen Augen Sinn, um z.B. Nazistrukturen offensichtlich zu machen und ihnen den gesellschaftlichen Raum zu nehmen. Es ist aber ein Mittel, dass mit Vorsicht eingesetzt werden muss. Es richtet sich ganz eindeutig gegen solche, die noch mehr mit ihren konkreten Aktionen als mit ihrem politischen Handeln Menschen in ihrem Leben bedrohen. Feminist_innen durch die Aktionsform damit gleichzusetzen ist einfach nur widerlich. Damit stellen sich die femwatch-Leute auf eine ähnlichen Stufe wie Neonazis, die das Bedrohungsszenario im Rahmen ihrer Anti-Antifa-Aktivitäten aufbauen und mit ihrer Veröffentlichung von Daten oft die Drohung mit körperlicher Gewalt verbinden. Und wie lange soll es bitte schön dauern, bis in der wertgeschätzten Anonymität des Kongresses dieser Schritt getan wird, ergo: es ist nur noch einer kleiner Schritt, um die veröffentlichten Personen zum Freiwild zu erklären und zum Abschuss freizugeben.

Not my department?

Es geht alle etwas an. Der Kongress sollte barrierefrei zugänglich sein und das Kongressmotto agiert dabei wunderbar als Aufforderung an den CCC selber und an die Besucher_innen. Barrieren gibt es genug, im körperlichen, in den Köpfen, in den Herzen. Es wird daran gearbeitet, diese Barrieren abzubauen und Kongress, Bewegung und Gesellschaft ein ganz kleines Stück angenehmer und herrschaftsfreier zu gestalten. Denkt darüber nach. Steht dem nicht im Weg. Ändert euch. Helft, wo ihr könnt. Denkt nochmal drüber nach. Und dann, wenn ihr wollt, bringt euch in die Debatte ein.

 

Kommentare

  1. Dirk Moebius sagt:

    Das grosse Problem (imho) hier ist, dass es keine Regeln gibt. Es gibt keine klaren Grenzen, keine Kodifizierung in irgendeiner Form.
    Als Einziges gibt es die subjektive Einschaetzung /eines/ Individuums “Meine Grenze wurde verletzt”. Zusaetzlich . das ist ein inhaerente Problem dieser Karten – gibt es in aller Regel keine Erklaerung und auch keinerlei Rueckkopplung – also de facto ein “Du hast da was Falsches getan, aber ich sag Dir nicht, was – da musst Du selber drauf kommen”.
    Dass das Ubeerreichen einer solchen Karte selber wiederum eine -subjektive- Grenzverletzung des moeglicherweise gutglaeubig handelndenn Gegenueber bedeuten kann, scheint auch ueberhaupt nicht reflektiert worden zu sein.

    JFTR: Ich selber habe gestern eine dieser gelben Karten in die Hand gedrueckt bekommen, /weil/ ich einer Frau, die nach mir kam, die Tuer aufgehalten habe.
    *Das* ist eine Grenzueberschreitung? Really? Really really?

    1. marvin sagt:

      die von dir erwähnte grenzüberschreitung ist, so vermute ich, dass du, nach der meinung der frau, ihr nicht zugestanden hast, dass sie selbst in der lage ist, eine tür zu öffnen. das tolle daran ist, dass wenn du ihr die tür vor der nase hättest zufallen lassen, wäre das vermutlich auch absicht und protest auf die zuvor verteilten karten eingestuft worden.

      und soetwas finde ich sehr schade. mir gehen diese extrempositionen und der kaum stattfindende dialog auf die nerven. da scheint mir niemand mehr die lust zu haben, sich in andere hineinzuversetzen.

      ich halte auch grundsätzlich die tür auf, wenn ich aus dem augenwinkel mitbekomme, dass mir jemand folgt. ist dabei völlig schnurz, ob mann, frau oder eichhörnchen.

      ja, ich bin weiß, männlich und heterosexuell. ich hätte also auch die karte bekommen können.

      im übrigen bin ich mehre jahre lang regelmäßig mit hohen boots, kurzem rock, netzstrümpfen, lackierten fingernägeln und kajal unterwegs gewesen. aber das erkennt man genausowenig wie meine sexualität.

      das wäre in etwas das, was ich der von dir erwähnten frau erzählt hätte, hätte ich die karte von ihr bekommen. die reaktion darauf wäre interessant gewesen.

    2. Pyr sagt:

      Die Creeper Cards sollen dich zum Nachdenken und Akzeptieren bringen, dass sowas für manche Personen eine Grenzverletzung IST.

      Das heißt nicht, dass du dein Verhalten ändern musst. Das heißt einerseits, dass du reflektieren solltest, *warum* du das tust und andererseits dir vor Augen führen, dass es da draußen Menschen gibt, die so etwas nicht toll finden.

      Du hast keine Definitionshoheit darüber, was andere Menschen verletzt. Es geht gar nicht darum, dich als Buhmann hinzustellen. Es geht darum, dass du kapierst, dass das alles um dich herum passiert, dass du sensibilisiert wirst.

      Niemand zwingt DIR eine Definition darüber auf, was sexistisch ist. Aber du wirst nicht lernen was Grenzverletzungen sind, wenn du nicht selbst bei noch so kleinen Dingen im Leben kritisch dein Handeln hinterfragst. Dabei können die Creeper Cards helfen.

      1. jali sagt:

        Man muss aber schon ein sehr merkwürdiges Selbstverständnis haben, wenn man es als Grenzverletzung empfindet, wenn ein anderer Mensch einem nicht eine Tür ins Gesicht schlägt. Das Türaufhalten ist ebenso wenig ein Zeichen patriachalen Machotums wie wenn ich in der vollen Bahn aufstehe und einem älteren, oder vielleicht gehbehinderten Menschen einen Sitzplatz anbiete. Da mach man dann keinen Wind von, sondern steht einfach auf, und macht vielleicht eine einladende Geste, damit derjenige weiß, was gemeint ist. Das ist nicht herabwürdigend, das nennt man Freundlichkeit. Die meisten Menschen, denen ich begegne, freuen sich über solche Gesten.
        Ich für meinen Teil weiß sehr genau, warum ich Leuten Türen aufhalte, und ich tue das, wie die meisten Menschen, völlig unabhängig von deren Geschlecht oder Hautfarbe oder $BELIEBIGESMERKMAL.

        Genau an solchen Punkten scheitert dann die Debatte über den Alltagssexismus, die eigentlich dringend geführt werden muss. Selbstredend, es ist immer wichtig scheinbare gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. In den 50er Jahren fanden alle die Hausfrauenehe völlig normal, und es hat eine ganze Generation gebraucht, bis die Menschen realisiert haben, dass da eine gewaltige Lücke klafft, zwischen dem verfassungsmäßigen Recht auf Gleichheit, und der juristischen und gesellschaftlichen Realität.
        Aber einen gewissen gemeinsamen Boden sollte es schon geben; ich für meinen Teil möchte mich jedenfalls nicht anderen Menschen gegenüber wie ein Arschloch benehmen müssen, nur weil ein paar wenige sich angegriffen fühlen, weil ich ihnen einen “Guten Morgen” wünsche.

    3. sdu sagt:

      Und ich hatte mich schon gewundert, warum mir soviele Menschen auf dem 29c3 die Tür vor der Nase zufallen lassen! Bin btw weiblich und zum Teil britisch sozialisiert, sprich: Ich finde es selbstverständlich, mich an Türen kurz umzusehen, ob jemand hinter mir kommt, und diesem (egal ob Männlein, Weiblein oder Eichhörnchen) die Tür offen zu halten. Ebenso hätte ich diese ominösen Karten, wenn man sie mir bei der Akkreditierung offeriert hätte, dankend abgelehnt. Wenn ich ein Problem mit jemanden (egal ob, s.o. …) habe, dann kann und werde ich das direkt artikulieren. Dafür brauche ich doch keinen mobilen Zettelkasten! Das einzige “Problem”, das mir bislang in Sachen Gender auf dem 29c3 begegnete war jedoch, dass, wenn ich mich z.B. zwischen Vorträgen auf ein paar Pommes oder eine Zigarette zufällig zu einem männlichen Wesen gesellte und evt. Lust hatte, ein wenig zu reden, dieser verschüchtert auf einen imaginären Boden starrte. Zumindest solange, bis ich ein Gespräch aktiv initiierte. Seriously: Geschlechterrollen zu reflektieren ist ja sicher sinnvoll. But tempered by some stamina (on all sides) and especially by common sense, please!

  2. nadja sagt:

    “Viel mehr als alle anderen sozialen Bewegungen hat sie ihr Wissen genutzt, um die Bedingungen zu verändern mit Annahmen, die auf gesellschaftlichen Idealen basieren.”

    -> Hochmut kommt vor dem Fall.

    Ansonsten anregender Text, danke.

  3. Joël sagt:

    Toller Text. Ich mag den “die bestehenden Verhältnisse gilt es zu hacken.”-Gedanken.

    @Dirk: Steht nicht sogar etwas von “gutgläubig” oder “gut gemeint” auf der gelben Karte? Wenn es für die Person, die dir die Karte gegeben hat, grenzüberschreitend war, war es das. Punkt. Du kannst nachfragen, warum das so war, du kannst dich hinsetzen und überlegen, warum das vielleicht nicht so gut angekommen ist (Hint: Welche Denkweisen werden allgemein mit “Männer müssen Frauen die Tür aufhalten” verbunden?), aber akzeptieren, dass es für die Person offenbar genug war, dir eine Karte zu geben, musst du so oder so.

    1. Dirk Moebius sagt:

      Ich halte Empathie fuer keine Einbahnstrasse.
      Wenn jemand Dir die Tuer aufhaelt – und wenn derjenige, wie ich, eher fuenfzig ist als zwanzig – dann kann das auch einfach an der Sozialisation dieses Menschen liegen. Den dann dafuer zu flamen kann seinerseits wieder eine Grenzueberschreitung sein – und reflektiert ist es schon gar nicht.
      IMHO & IANAL etc.

  4. Carridwen sagt:

    Danke <3

  5. Erbloggtes sagt:

    Habe mich von Ferne gewundert, was für verwunderliche Dinge auf dem #29C3 geschehen. Nur im Zusammenhang verbalisiert hat mir das noch niemand. Danke für die Aufklärung!

    1. Thames Sinclair sagt:

      Kurios ist, daß ich die ganzen Tage auf dem 29c3 rumlaufe und von dem ganzen feministischen Thema überhaupt nur über Online-Kanäle etwas mitbekommen habe. Allerdings lediglich bruchstückhaft. Vielleicht täuscht der Eindruck durch die fragmentarische Rezeption, aber irgendwie scheint andauernd auf einem sehr abstrakten Level kommuniziert zu werden; es fällt mir schwer, das alles zu bewerten, da nie wirklich konkret angesprochen wird, was genau eigentlich passiert ist. Das Beispiel mit der aufgehaltenen Tür oben ist die erste Erzählung, die mir begegnet. Und Tür aufhalten, das ist doch wie gesagt schon so unklar als geschlechtsorientiert einzuordnen … Es müssen offenbar heftigere Sachen passiert sein, der Aufregung nach zu schließen, die auf Twitter mit lauter Andeutungen um den Kongreß herumwabert. Leider ist mir noch niemand der jeweils Twitternden direkt über den Weg gelaufen, bei dem ich mich mal hätte erkundigen können.

      Jemandem, der gern bereit ist, auf die Befindlichkeiten anderer Rücksicht zu nehmen, wird es durch diesen nebulösen Diskurs leider schwer gemacht, zu wissen, worauf man achten soll, in welche Situationen man sich hineinversetzen kann, um die Betroffenheit zu verstehen.

      1. Dirk Moebius sagt:

        Das meinte ich mit “es gibt keine Regeln”. Wenn das Ganze so subjektiv ist, dass alles und jedes falsch sein kann, unabhaengig vom jeweiligen Sender und Empfaenger.

  6. mlx sagt:

    Guter Beitrag.

    Allerdings war mein persönlicher Eindruck vom Jeopardy eher der, dass das mit den CreeperCards eben gerade nicht dazu geführt hat “einen Gang runterzuschalten und die Situation zu reflektieren”.

    Ganz im Gegenteil, je mehr Karten es gab, desto blöder wurden die Witze, desto mehr schaukelte sich das gegenseitig hoch. Für jede Karte wollte er noch nen Witz oben drauf setzen.

    So war jedenfalls mein Eindruck vor Ort.

    1. jali sagt:

      Das lag glaube ich daran, dass die Moderatoren zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen sind, dass es sich bei den Karten um einen Trollversuch handelt, und einfach zurückgetrollt haben.
      Ich vermute, es wäre anders gelaufen, wenn klar geworden wäre, dass das ernst gemeint ist. Ich glaube nun wiklich von Ray und Sec nicht, dass es ihre Absicht ist jemanden zu verletzen.

  7. Patrick H. sagt:

    ich war heute erstmals überhaupt auf dem Kongress, obwohl ich ihn aus der Distanz bereits seit vielen, vielen Jahren verfolge.

    Außerdem bin ich seit vielen Jahren in einem sich als feministisch bezeichnenden Verband aktiv. Ja, in diesem sind all diese Mechanismen der Selbstreflexion viel weiter, akzeptierter und werden besser gelebt, was für eine – so meine ich zumindest – für viele Frauen (aber auch Angehörige anderer sozialer und biologischer Geschlechter) hoffentlich für eine angenehmere Atmosphäre sorgt. Aber das heißt nicht, dass es nicht auch in diesem Verband ständig Awareness-Probleme, Sexismus und Diskriminierung gibt. Immer wieder.

    Meine Wahrnehmung von diesem Tag heute ist aber diese: ich sehe Fortschritt und von vielen eine wohlwollende Awareness. Viel mehr Hackern (jetzt eher die männlichen) sind solche Probleme ein Begriff, als es noch vor wenigen Jahren IMHO den Anschein hatte! Es ist mehr Awareness vorhanden und ja, das zeigt sich auch in mehr Konfliktpotential. Das schützt nicht davor, dass sich immer noch viele unreflektiert verhalten und Grenzen verletzen, aber es sorgt dafür, dass sich nicht immer die Betroffenen allein und selbst wehren bzw. schützen müssen, sondern dass sie mehr Unterstützung von denjenigen erhalten, die sich Gedanken über die Problematik machen.

    Für mich ist hierbei so gesehen die Hacker-Community (zumindest die beim Kongress) damit die erste gesellschaftliche Bewegung, die ich selbst wahrnehme, die sich in meinen Augen nicht selbst als feministisch definiert, die sich mit solchen Fragen verstärkt und zunehmend differenzierter auseinandersetzt – auf jeden Fall viel mehr als die allgemeine Öffentlichkeit.

    Aber gerade für letztere gibt mir das Hoffnung. Denn es geht alle an und irgendwie ist das doch eine Community, in der regelmäßig Debatten stattfinden, die sich zeitversetzt später auch in der Öffentlichkeit wiederfinden. Das heißt keineswegs, dass schon alles gut ist. Aber dass es – IMHO – besser ist, als früher.

  8. ronia sagt:

    Politische Kämpfe gegen Faschisten oder die Drohung eines Polizei Staats können überhaupt nur wirksam sein, wenn bereits Marginalisiert sich ausdrücken und kämpfen können. Sich da von Feministinnen abzugrenzen, wie der Autor dieses Textes es leider in einem Absatz “den Hackern” gewähren will, ist kontraindikativ zu den behaupteten Vorhaben und Haltungen vieler männlich sozialisierter Cis-Männer in der Szene.

    Im Gegenteil, sowohl Sexismus als auch Rassismus und Klassismus (in Ermangelung eines besseren Ausdrucks für einen Vektor ökonomischer Diskriminierung) sind als Diskriminierungsformen in der Szene wie auch in der Gesellschaft wirksam. Und jede Kritik und Analyse muss diese mit einbeziehen.

    Sonst ist der ganze Scheiß nicht mehr als eine Ermächtigungsfantasie von Wannabe-Junghelden und kann genauso gut gelassen werden. Gibt ja Cosplay.

    Im Übrigen wird immer vergessen, wie viele Frauen* es in der Szene gegeben hat, gibt und geben wird. Jede, die es wegen dieser Scheiße nicht mehr aushält, ist ein unwiederbringlicher und nicht zu verschmerzender Verlust.

    1. Dirk Moebius sagt:

      Ich halte es fuer keinen guten Weg, Verbuendete durch Agressivitaet zu finden – also denen, die man eigentlich als Verbuendete sucht, erst mal eins mit der ganz grossen Keule ueberzuziehen. Im Gegenteil, ich halte es fuer kontraproduktiv.

  9. Track78 sagt:

    Man merkt, dass Du nicht vor Ort bist. Vor Ort stellt sich die Situation aber anders dar: die Karten werden wie Flyer verteilt. (nein, ich habe keine bekommen) Dadurch verlieren Sie leider Ihren Sinn und Wirkung. Ich habe noch niemanden gesehen, der gesagt hat “ich finde die Sexismus Diskussion albern” – ich habe aber mit vielen gesprochen, die die Art der Diskussion sehr albern und unproduktiv finden…

  10. [...] der Ende Dezember in Hamburg stattfand. Ein besonders erregendes Thema waren diesmal offenbar Geschlechterverhältnisse, kulminiert in der Message: “Du nervst [mit diesem Genderkram]!” Dagegen gab es aber [...]

  11. [...] ohne es schade zu finden, habe ich das inzwischen vermutlich legendäre Jeopardy, ebenfalls denkwürdig, wenn auch in einem gänzlich anderen Sinne: Made me sick, had to leave. Not [...]

  12. [...] Hans/Meet in Mon­tauk: Sexis­mus? Not My Department? [...]

  13. [...] Im Gegenteil: oft ist es das Ergebnis eines langen Reflektionsprozesses, wenn eine Person ihre Meinung zu etwas ändert. Dass Steinbrück auch die Rhetorik des Lernenden bestens beherrscht, zeigt sein wiederholt [...]

  14. g.h. sagt:

    Ich glaube, dass das am #29c3 die Diskussion zum Bild der kopflosen Frau mit den cards gut zeigt, wie sehr beide Seiten immer noch in den traditionellen Denkmustern verfangen sind. So wurde in den meisten Posts angenommen, dass ein Mann der Künstler war – und nicht mirromaru:

    http://mirromaru.tumblr.com/post/39382307717/oh-teh-drama-or-why-i-stickered-a-naked-headless

    Das Problem ist – wie in vielen Bereichen der Gender-Debatte – die Schwierigkeit, sich als ein Wesen mit einem biologischen bzw. gewählten Geschlecht (oder der Verweigerung der Wahl) – soweit persönlich herauszunehmen, dass man Fallen des eigenen Denkens erkennen kann um diese zu umgehen. Aber erst dieser Prozess der Bewußtmachung erlaubt überhaupt eine sinnvolle Generaldiskussion über das persönliche Befinden hinaus…

  15. [...] und es nicht mehr lediglich ums Hacken geht. Leitmotto des dreitägigen Kongresses war “Not my department” (Nicht mein Fachgebiet). Dies setzte sich vor allem damit auseinander, dass Programmierer [...]

  16. [...] der Chaos Communication Congress schon in den letzten Jahren immer wieder in feministischer und anti-sexistischer Kritik stand, entzündet sich am 30C3 der [...]

  17. Zivilschein sagt:

    Der 30c3: Die sind Helden…

    Vom 27. bis zum 30. Dezember findet der 30c3 statt, der 30. durch den Chaos Computer Club ausgerichtete Kongress. Seit kurzem ist der “Fahrplan” dazu online, also die vorläufige Aufstellung der geplanten Veranstaltungen. Bereits der 29c3 im…