Die Idee:

Mal wieder etwas Bastelarbeit hier auf dem Blog. Ich schaue gerade mal in einem Schwung von Motivation und Endzeitstimmung aufgrund meines Auslandsaufenthalts meine Technikkisten durch und überlege, was ich mitnehme, was ich verkaufe usw. – meinen eBook-Reader hat es schon erwischt und das Samsung NC20 soll heute auch rausgehen.

Aber manchmal ist es auch ganz cool, Dinge zu behalten und zu erweitern. Ich habe bei meinem Mitbewohner neue Kopfhörer liegen sehen, Sennheiser HD 428. Neupreis liegt bei 70€ oder sowas in dem Dreh und er hat beim Longboarden das Kabel zerrissen und seitdem liegt es halt unbenutzt rum. Ich hab jetzt mit ihm den Deal, dass ich mich um die Reperatur kümmere und dafür das Ding die nächsten Monate im Ausland behalten darf. Find ich gut.

Also gleich mal recherchiert: zum Thema Kopfhörerkabel reparieren gibts doch sehr viele Einträge, ich möchte dabei mal auf den von CNET exemplarisch verweisen. Ich habe aber nochmal kurz innegehalten und mir überlegt: wenn ich schonmal dabei bin, kann ich auch gleich noch mehr in Richtung meiner Bedürfnisse arbeiten. Ich mag das Apple Headset total. Also vom Konzept. Ich telefoniere gerne darüber. Aber für Musik sind die Dinger nur mäßig brauchbar, wenig Bass, und alles klingt sehr flach und unausgewogen. Darum: wie wäre es, wenn ich aus einem alten iPhone Headset das Kabel nehme und mit den Sennheisern verbinde? Das herauszufinden wird die Aufgabe des Artikels sein.

Zutaten:

  • ein iPhone-Headset (ich hab eines genommen, wo die Gummierung kaputt war und ich sie deswegen nicht mehr gebrauchen konnte)
  • gute Kopfhörer eurer Wahl (auch hier habe ich wie gesagt welche mit Kabelschäden genommen)
  • Feinelektronik-Lötkolben und Lötzinn
  • je nach Aufbau der Kopfhörer eventuell passende Schraubenzieher

Zubereitungszeit: 30min.

Zubereitung:

Ich habe mich grundsätzlich erstmal am folgenden Video orientiert.

Im Grunde zeigt es das schon ganz gut, ich wills aber trotzdem nochmal schnell schriftlich zusammenfassen, was ich gemacht habe: erstmal habe ich das Apple Headset auseinandergenommen. Dazu einfach das Plastik der Ohrstecker aufbrechen, das geht leicht und sollte ohne viel Kraftanwendung gehen. Darauf achten, dass ihr das Kabel nicht abreißt. Dann die Kopfhörer auseinanderbauen, d.h. in meinem Fall habe ich die Polsterung von den Sennheisern auf der Seite, wo die Kabel in die Muschel gehen, abgenommen (waren einfach nur drangeklippt), dann darunter die Schrauben gesucht und gelöst und dann vorsichtig das Tonelement hochgehoben. Darunter kam dann ein kleines Element zum Vorschein, wo auf der Unterseite die Kabel drangelötet waren. Das musste ich auch noch aus der Fassung schrauben.

Als nächstes den Lötkolben aufheizen und dann vorsichtig mit der Spitze das Lötzinn an den Kabelenden an beiden Elementen (Headset und Kopfhörer) erwärmen. Eigentlich sollten die Kabel dann sofort abspringen. Damit habt ihr dann das iPhone-Headsetkabel befreit und könnt es aus dem Plastikelement herausziehen und  andererseits an euren Kopfhörern kein Kabel mehr. Dann wirds ein bisschen kniffliger, aber auch nicht zu schwierig: mit dem Kolben etwas Lötzinn aufnehmen (einfach einen winzigen Moment an die Zinnrolle halten), das Kabelende vom Headsetkabel auf die entsprechende Stelle vom Element im Kopfhörer halten und den Kolben mit dem Zinn kurz ranhalten. Das Kabelende saugt quasi das Zinn auf und wenn es nach wenigen Momenten (nicht zittern ;-) ) erkaltet, habt ihr es rangelötet. Mit allen vier Kabeln (zwei für jede Seite) so verfahren. Bei mir war die Besonderheit, dass die Sennheiser nur drei Plätze hatten – deswegen habe ich die gelben Kabel, von denen zwei da waren, auf den selben Platz gelötet. Ich bin kein großer Techniker, aber ich denke einfach mal, dass das die Erdung war, einfach korrigieren, falls ich falsch liege. Rot und blau kamen bei mir jedenfalls auf die Plätze, wo auch vorher rot und blau waren. Wenn alle Kabel angelötet sind, kanns auch schon an den Funktionstest gehen. Wenn auf beiden Seiten ordentlich Musik erklingt, dann ist alles gut gegangen. Ich musste noch ein Kabel im Kopfhörer auf der anderen Seite des Kabelelements neu anlöten, weil das anscheinend beim Auseinanderbauen abgegangen ist. Danach wars aber bei mir auch perfekt.

Dann nur noch die Kopfhörer wieder so zumachen, wie ihr sie vorgefunden habt. Wer es etwas sicherer mag, befestigt noch mit Heißkleber das Kabel zusätzlich am Kopfhörerplastik von innen, dann sollte es bombenfest halten. Tadaaa, ihr habt ein funktionierenden Kopfhörer mit Headset-Funktion!

Bei mir funktioniert auch noch nach einem Extrem-Test inkl. Skype-Session und viel Musik nach ca. 20h alles. Ich werde jetzt noch die Kabel vom Headset, die sich ja irgendwo in zweib Kabel splitten mit Kabelschläuchen zusammenführen und überlege, ob ich mir noch die Arbeit mache und alles schwarz anmale, damit Kabel und Kopfhörer gleich aussehen.

 

Was es inzwischen alles gibt. Wem Parcour zu anstrengend ist, wer sich  bei Graffiti nicht die Hände schmutzig machen will und wer gar keine Techno mag und deswegen nicht zu den Untergrundpartys in abgranzten Häusern geht, für den hat die Welt eine neue Kategorie: Urban Exploration! Das ist im Grunde die Sportart des Hausfriedensbruch. Mach-was-du-willst gepaart mit kindlichem Entdeckungsdrang.

Hört sich das jetzt alles zynisch an? Ich will nur aller Kritik vorangreifen, weil ich find das Ding recht cool. Es gibt schon Dokus dadrüber, die unter dem Artikel eingebunden habe, wo die Aktivsten betonen: Ey, es gibt hier keine Regeln, Urban Exploration ist das, was du machst und wo du es machst. Auf Brücken klettern fällt genauso darunter, wie mal in Krankenhaus gehen. Es geht den Interviewten darum, ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, seine Grenzen zu erforschen, seinen Horizont zu erweitern – und das im Selbstzweck, also nicht versteckt hinter anderen Aktivitäten wie Graffiti (wieviele sprühen nur für den Kick ohne Zugang zum eigentlichen Akt?).

Ich glaube, das ist auch ein cooles Ding um kollektiv die Geschichte der Stadt zu erforschen. Ich würde gerne mal die alten Transportkanäle unter den Friedrichshainer Schlachthöfen sehen. Oder bestimmte Teile des Tempelhofer Flughafens. Oder bestimmte Villen in Dahlem. Es gibt echt viel, womit ich mich in der Stadt noch nicht beschäftigt habe und was einfach weggeschlossen wird – warum eigentlich? Um es fernab von allen Blicken zu konservieren, um der Konservierung, nicht des gesellschaftlichen Erhalts, willen? Und ich würde auch gerne damit körperliche und geistige Herausforderungen verbinden – das Planen, das Ausforschen, die Recherche nach Einstiegsmöglichkeiten und dann die Handlung selber – durch eklige Suppe laufen im Kanal, bei Regenfall im Untergrund fast weggespült werden, 100m in der Luft an einer Mauer langtasten – schon beim drüber nachdenken läuft mir ein Adrenalinschauer über den Rücken. Und dazu kommt dann noch das Gruppenerlebnis.

Was ich glaube ich nicht machen würde: das ganze filmen, fotografieren etc. – abgesehen von der allgegenwärtigen Repressionbedrohnung, die nunmal da ist, wenn man außerhalb der Norm handelt, finde ich es auch schade, solche Momente, solche unikaten Situation, irgendwo zu drauf zu bannen und der Welt zugänglich zu machen. Es entwertet mir die Story. Vielleicht 1-2 Triumphfotos, aber mehr auch nicht. Lieber drüber schreiben, daraus eine Geschichte machen, die man irgendjemand über den Kaffeetisch oder seinen Kindern vor dem Einschlafen erzählt.

Ich glaube, ich habe einen Plan für Berlin, wenn ich wieder da bin!

[Dokumentationen via Nerdcore]

Crack The Surface – Episode II from SilentUK on Vimeo.

Crack The Surface – Episode I from SilentUK on Vimeo.

 

Ich hab seit einiger Zeit ein MacBook Pro. Hätte ich vor einigen Jahren auch nicht gedacht, dass ich mir mal eins kaufen würde. Nicht, weil ich irgendwie großartig Partei im Mac/Win/Linux-Getrolle ergriffen hätte, aber eine fehlende System- und Hardwaremanipulationsmöglichkeit hätte mich damals sehr abgeschreckt. Heute ist das anders, Ansprüche ändern sich. Gerade wenn ich mobil bin, möchte ich, dass alles sauber läuft. Frickeln kann ich auch am Desktop-PC.

Was mir aber im OS X Lion wirklich fehlt, ist eine gute Blogging-Software. Sowas wie der Windows Live Writer, der so wunderschön sich das Blogdesign runtergeladen hat und Bilder automatisch mit stylischem Schatten eingefügt. Das Ding ist echt genial, aber naja, nur dafür werde ich mir jetzt nicht die Arbeit mit Bootcamp und einer extra Win-Partition machen. Ich mags ja auch, Blogartikel im OS X Umfeld zu schreiben, ich bin total überzeugt von dem Betriebssystem. Insofern: wer ein ähnlich mächtigen und schönen Blogeditor wie den WLW findet, sag mir bitte in den Kommentaren Bescheid!

 

Früher habe ich da mal gerne drin gelesen. In der NEON. Irgendwann kam das härtere Zeug, da gings dann zu Amy&Pink. Sexistische Auslassungen habe ich da wohl noch als die WannaBe-Fantasien von einem pickligen Yuppie fehlinterpretiert. Aber was jetzt abgeht, geht gar nicht. Da kommt mir das kotzen. SEXISTISCHESCHEISSKACKE! Es geht um Bloggerinnen-Softporno.

Die ersten Damen haben sich auch schon auf das Angebot eingelassen. Ist ja auch ihr Ding. Aber diese ekelhafte Reduzierung auf “oben ohne” und das Vergüten dieser Reduzierung macht den Blog echt abschussreif. Meine Verlinkungen kommen natürlich raus und ich finds echt krass, wie sehr man sich doch täuschen kann. Uah.

Zur Dokumentation die konkrete Aufforderung auf Amy&Pink:

Netzmädchen werden

Du gehörst wissentlich dem weiblichen Geschlecht an, nennst einen Blog oder Twitter-Account dein Eigen und würdest von dir selbst behaupten, dass Gott, deine Mutter und womöglich auch dein Chirurg gnädig mit dir in Sachen Aussehen waren? Dann sei gefälligst mutig und werde unser nächstes Netzmädchen.

In dieser Rubrik präsentieren sich junge Frauen im Internet von einer Seite, die so noch niemand gesehen hat. Pushe mit hochwertigen, ästhetischen Fotos deine Online-Projekte und fasziniere deine Fans. Mindestens oben ohne – gerne auch mehr. [...] Um mitzumachen musst du mindestens 18 Jahre alt sein. Bei Veröffentlichung zahlen wir dir 300 Euro.

Pack, widerwärtiges. Vor allem der Umstand, den man überall rausliest, dass Frauen, die bloggen oder sonstwie in Social Media aktiv sind, als technikbegabte Wesen wahrgenommen werden. Vielmehr wird gesagt “Ahhh, süß … aber kannst du dich auch nackt machen?”.

Ich distanziere mich von jedem positiven Blog-, Facebook-, und Twitter-Post der von mir zu Amy&Pink veröffentlicht wurde. Ich scheine da irgendwo die Zeichen nicht erkannt zu haben. Sorry. Ich fand ja deren Kategorie der ehrlichen Kontaktanzeigen immer ganz nett, auch wenn mir schon damals zu sehr Richtung Sex gepusht wurde. Aber auf jeden Fall haben sich da coole Leute vorgestellt und auch wenn meine nicht dabei war, das hatte irgendwie ein cooles Niveau. Was für ein Absturz.

 

 

 

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Aus aktuellem Anlass mache ich hier mal eine neue Mini-Reihe auf: “Sprachlos” beschäftigt sich mit dem Umgang mit Sprache, der historischen Relevanz von Ausdrücken und dem Gedankengut, was sich dahinter verbirgt. Mir selbst sind viele Umstände von Wortgeflechten und –kreationen, die ich im alltäglichen, aber auch im politischen Sprachgebrauch mir angeeignet habe, gar nicht bewusst. Die Reihe soll dabei helfen, sich dieser Wortproblematiken bewusst zu werden und sie sich ggf. abzugewöhnen.

Gutmensch

Anfangen möchte ich die Reihe mit dem Wort “Gutmensch”. Bei mir hinterlässt das Wort schon etwas länger einen fahlen Beigeschmack, obwohl ich es immer gelegentlich verwendet habe, meistens um Menschen zu kritisieren, die sich der Konsumkritik (also der Veränderung von gesellschaftlichen Zuständen durch ein bewusstes Konsumverhalten) verschrieben haben. Sicherlich auch in anderen Kontexten. Trotzdem wurde mir dieses Wort in der letzten Zeit immer weniger geheuer, wurde es doch auch von irgendwelchen scheinlibertären FDP-Fatzken auf Seminaren verwendet, um Sozialpolitik etc. zu kritisieren. Auch geistert das Wort seit jeher durch Naziforen und taucht als Begriff in rechtsoffenen Kommentaren auf. Und wo es noch auftaucht: in ganz vielen linken und linksradikalen Diskussionen, meistens von den Vertretern von autoritären Systemen benutzt, um Kritik am Stalinismus oder anderen realsozialistischen Ausformungen abzubügeln.

Dabei sollte man das Wort einfach nicht mehr benutzen. Dazu möchte ich in dem Artikel einfach mal ein paar Zitate anführen, die die Problematik ganz gut wiedergeben. Da wäre zuerst einmal der “ZEIT Wörterbericht”:

Dass der »Gutmensch«, aus der politischen Rhetorik stammend, sich in der Alltagssprache niedergelassen hat, kann als Triumph antihumanistischen Denkens gelten. Die Häme über den guten Menschen beginnt bei Nietzsche, der Neologismus stammt aus dem Stürmer, Kampfbegriff ist er für die Neue Rechte, und salonfähig wurde er durch die 68er-Kritik im Stil von Klaus Bittermanns Wörterbuch des Gutmenschen. Die Verachtung, die das Wort ausdrückt, und die Geläufigkeit, mit der es verwendet wird, legen den Verdacht nahe: Als gut gilt jetzt ungut.

Die Nietzsche-Urheberschaft ist wohl umstritten, der Gedanke aber spätestens Mitte des 20. Jahrhunderts vom Naziregime zementiert. Jürgen Hoppe erläutert das in einem Memorandum des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) [pdf] so:

Erstmals findet sich das Wort als Bezeichnung für die Anhänger von Kardinal Graf Galen, der gegen die Vernichtung lebensunwerten Lebens , also die Tötung körperlich und geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten (schließlich mit Erfolg) gekämpft haben.

Nicht klar ist, ob der Begriff von Josef Göbbels oder Redakteuren des Stürmer 1941 ersonnen worden ist. Gutmensch geht auf das jiddische a gutt Mensch zurück, womit von den Nationalsozialisten auch ein Bezug zu den lebensunwerten Juden hergestellt werden sollte.

Adolf Hitler hat in seinen Reden und in Mein Kampf ebenfalls die Vorsilbe gut als abwertend verwendet. So sind für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielen.

Freilich hat sich der Begriff längst dieses Umkreises enthoben und hat spätestens in den 90ern Einzug in den politischen Alltag gehalten. Diese Entwicklung ist jedoch keineswegs zu begrüßen, der politische Kampfbegriff, den “Gutmensch” darstellt, zielt auf eine Degradierung des Gegenübers, nicht des Arguments, ab – er wird also (naiv) moralisierend oder aber nur vorgeblich moralisierend dargestellt.

Festzuhalten bleibt, dass der Begriff “Gutmensch” für einen emanzipatorischen Sprachgebrauch aufgrund seiner problematischen Genese und seines persönlichen und nicht argumentativen Charakters nur selten und reflektiert in Frage kommen sollte.

Zur Vertiefung dazu aus österreichischer Sicht: Katrin Auer: “Political Correctness” – Ideologischer Code, Feindbild und Stigmawort der Rechten [pdf]

 

Auf dem Facebook-Profil der Mamsell habe ich irgendwann mal einen Song gefunden, der mir interessant schien, aber mit dem ich zu dem Zeitpunkt nicht viel anfangen konnte. Also ab damit in die Bookmark-Liste und jetzt habe ich “Smile For Me, Sun” von Adam & Alma wieder ausgegraben.

Irgendwie habe ich mich sehr reingehört und wollte natürlich mehr davon. Eine kurze Google-Suche später: die EP “Back To The Sea” (der Titel verspricht meinen persönlichen Referenzen schon mal sehr viel) gibt es kostenlos von einem kleinen Netlabel! 23 Seconds heißt das und man kann auf der Seiten einfach die einzelnen Songs runterladen oder halt die ganze EP gepackt.

Tracklist:
1. Things
2. Smile For Me, Sun
3. Naked
4. Back To The Sea
5. Bon

“Things” bietet einen schönen Choruseinstieg in das Hörerlebnis – “Take my hand / It’s just thinking of you / Take my heart / It feels for you” hauchen einem die dazugehörigen Lyrics entgegen. Die ausgestreckte Hand nimmt man gerne an und begibt sich auf eine Reise in die Klangwelt von Adam & Alma. Höhepunkt ist das darauffolgende “Smile For Me, Sun”. Aufgewärmt durch den Opener wird in dem Track erstmal ein Stimmen der (elektronischen) Instrumente simuliert, was eine positive Erwartungshaltung erzeugt, im Stile von “Jetzt gehts los”. Der Track selbst zeichnet sich durch warme Beats aus, die die Musik tanzbar erscheinen lassen, während Gesang und Melodie eine Contra-Position bilden und eine Ruhe vermitteln, die in den Sessel zurücksinken lässt. Effekt ist: man sitzt eingelullt im Sessel, während das Bein ständig mitzuckt. Während die ersten beiden Tracks sehr typisch rüberkommen und sich auf Pianoindie mit elektronischen Einwürfen konzentrieren, wirkt “Naked” sehr atmosphärisch und erinnert an eine Düsternheit, die z.B. Chiasm oder den “Hanna”-Soundtrack von den Chemical Brothers (insbes. “Container Park”) kennzeichnet. “Back To The Sea” ist ein typisches Pianostück, dass über seine langsamen Anschläge die Lyrcis durch die Weite der Träumerei transportiert – um dann ein elektronisches Klanggewand zu zaubern, dass einen umhüllt und kaum wieder zurück in die reale Welt entlässt. Der Abschluss der EP, “Bon”, ist im Vergleich zu den restlichen Songs leider nur ein schwacher Abglanz. Etwas Klangglitter wird einem entgegengepustet, mehr passiert nicht, es bleibt das Gefühl von glitzernder Zahnfüllmasse, damit die Scheibe nicht so leer wirkt. Schade eigentlich. Der, zumal kostenlose, Download lohnt sich trotzdem, gerade für “Smile For Me, Sun”.

 

Jetzt bin ich schon wieder 24 Stunden zuhause, will aber noch meine Blogging-Reihe abschließen und vielleicht ein kleines Fazit ziehen. Gestern war ich dazu viel zu müde, ich bin aus dem Flugzeug in die S-Bahn, von da ins Auto gesprungen, hab meinen Hund abgeholt, bin ins Projekt gefahren und dort am Tresen fast eingeschlafen. Man, ey. Hardcore.

Also, was habe ich die letzten Tage noch gemacht? Am Dienstag sind wir als Gruppe nochmal in die Abschlussveranstaltung des Jugendclubs, der uns z.T. betreut hat, gefahren und haben dort eine gehalt- und respektvolle Abschlusspräsentation gehalten, die die besten Seiten der Seite enthielt. Also quasi 20% abgebildet und 80% verschluckt, aus Scham und aus Respekt würde ich jetzt mal einschätzen. Während eines reichhaltigen traditionellen Lieferservice-Mittags habe ich dann eher den Blick aus dem Fenster gesucht – wir wurden tatsächlich nochmal ordentlich eingeschneit, was sich als wirklich schön rausstellte. Viel von dem grauen Dreck des Moskauer Randbezirks wurde mit einer, wenn auch sehr dünnen, Schicht aus glänzendem Weiß überlegt und auf einmal sah alles neu und frisch aus oder verschwand als Ansammlung kleiner Fensterlichter im Gestöber. Tatsächlich hat mir das noch etwas inneren Frieden gebracht, nachdem mich am Abend zuvor Namen, die eigentlich 1900km entfernt sein sollten, irgendwie eingeholt und missgelaunt haben. Der Abend verging dann nochmal, zumindest für mich, in aller Ruhe, mit schlechtem Film und wenig Störungen. Faszinierend und abgeschreckt wurden nochmal die unterschiedlichen Vorstellungen von “Internationaler Begegnung” zur Kenntnis genommen und schon brach der neue Tag an.

Der war vor allem durch das Aufbrauchen der russischen Rubel geprägt – nochmal schnell zum Roten Platz und den dortigen Souvenirhändlern das Kleingeld in den Rachen geworfen (natürlich nicht, ohne ordentlich zu handeln). So wurden diverse Sovjet-Devotionalien erstanden und in die Koffer gestopft, die am Ende bereitgepackt warteten. Dann gings zum Flughafen und in den Flieger und dann flogen wir …. der Rest steht am Anfang des Artikels. Ganz unspektakulär.

Ich frage mich, ob ich etwas mitnehme von der Reise. Natürlich, viele Impressionen und Kultureinflüsse. Aber auch das Gefühl, wenig eigentliches Russland kennengelernt zu haben. Meine Interessenlage hat sich nicht ganz so erfüllt, wie ich es wollte, dafür habe ich, z.B. im Kunstbereich, durchaus meinen Horizont erweitern können. Die Sprachbarriere war schon heftig und meine fehlenden Russischkenntnisse haben mir sicherlich viel versaut – gerne hätte ich mehr Leute auf der Straße angesprochen und mit ihnen über ihre Situation und ihre Rolle im russischen System philosophiert. Schade andererseits auch, dass so wenige Menschen dort Englisch sprechen. Ich würde mich so sehr über eine internationale genormte Sprache freuen, dafür würde ich auch nochmal komplett neu diese erlernen.

Neben der Sprache war auch die Gruppenzugehörigkeit ein ziemlicher Dealbreaker. So sehr ich mich auch über das günstige Angebot der Gruppe freue, was mir diese Reise überhaupt erst ermöglicht hatte, so wenig bin ich selber dazu kompatibel, vor allem mit unbekannten Menschen. Die Interessen waren letztendlich zu verschieden, um darauf konstruktiv aufbauen zu können – ich habe schon in NYC gemerkt, wie gut ich alleine unterwegs war und wie sehr ich daraus Kraft und Erkenntnisse gezogen habe. Natürlich habe ich da ab und zu was mit anderen Menschen gemacht, aber ich hatte jederzeit die Freiheit gehabt, einfach loszuziehen, was ich ja auch sehr genutzt hatte.

Insofern kann ich sagen: Moskau war ein schöner, erfolgloser Anfang um aus Berlin rauszukommen – New York & Washington D.C. werden aber erst richtig einschlagen. Ich fiebere dem 13. März entgegen. 5 Monate. iLike!

 

Um gleich noch einen Eintrag hinterherzudroppen: Ich hatte mich am Silvesterabend mal mit der lokalen Clubszene beschäftigt und hab eine coole Veranstaltung gefunden, die leider nicht stattfinden konnte, da der Colors Club kurzerhand vorher geschlossen worden war (wenn der Bing-Übersetzer bei Facebook richtig arbeitet, gings um Drogen). Sehr schade, weil die DJ’s echt fett klangen. Zur Inspiration mal ein paar Soundcloud-Sets eingebettet.
Vladimir Trapeznikov – Playing in the Dark by Vladimir_Trapeznikov

 

SANCHEZ & SAPUNOV @ BUBBLE BAR, KAZANTIP-19, 15.08.2011 by Sergey Sanchez

 

Alex Meshkov | 2856 | www.klangextase.de by Alex Meshkov

 

Inzwischen ist der Silvesterkater auf bei meinen Mitreisenden so etwas verflogen und ich habe auch mal wieder Lust, etwas zu schreiben. Nach dem Silvestergruß könnte ich ja da einfach anfangen: ich habe die letzten Tage bewusst mal etwas alleine die Zeit genutzt und bin durch die Stadt gezogen. Gruppendynamiken scheinen mir echt nicht so gut zu tun, alle sind lieb und nett, aber ich bin viel zu ungeduldig und habe meine eigenen Vorstellungen von der Tagesgestaltung, also habe ich die wichtige Konsequenz gezogen, mehr alleine durch die Stadt zu laufen. Die Erlebnisse haben mich darin auch bestätigt.

Interessant war Silvester vor allem deswegen, weil ich als Eigenexperiment quasi feststellen konnte, wie Massendynamiken abseits von Sprache und Kultur wirken. Niemand kannte mich, aber alle haben mir um 0 Uhr das Gefühl gegeben, dass ich dazugehöre, ohne dabei aufdringlich zu sein. Ich habe mich zuerst an den Roten Platz begeben, der weitläufig abgesperrt war und durch tausende Polizisten gesichert war. Die beeindruckende Präsenz der Sicherheitskräfte war allgegenwärtig, wahrscheinlich schwebte neben der Absicherung der Großveranstaltung auch das Damoklesschwert eines Aufflammens von Protesten der kremlkritischen Öffentlichkeit über den Häuptern der Herrschenden. Medienberichten zufolge gab es auch Festnahmen von 20-30 Regimekritikern (allerdings im Vorfeld und nicht auf dem Roten Platz), ich habe das aber nicht mitbekommen. Um 0 Uhr startete dann das Feuerwerk, das ansprechend, aber nichts besonderes war. Es war übrigens das einzige Feuerwerk, dass ich von meiner Position aus sehen konnte – und auch in den Stunden danach gab es längst nicht so viel Raketen wie in Berlin und – was ich wunderbar fand – auch so gut wie keine Böller. Hier scheint man anders Silvester zu feiern. Den Abend habe ich damit abgeschlossen, dass ich einen Aufstieg auf das Dach unseres Hostels gefunden habe, dass einen ganz schönen Blick über unser Viertel bot und wo ich mich dann für eine Stunde niedergelassen habe. Hat sich gut angefühlt, so weit weg von allem Mist in Berlin und etwas auch von mir selber. Ich gebe nicht viel auf den Jahreswechsel als symbolisches Datum eines Neuanfangs, aber auf dem Dach habe ich trotzdem mehr an die kommenden Monate als an die vergangenen gedacht. Gutes Gefühl, in aller Melancholie.

Irgendwann bin ich dann schlafen gegangen und habe den halben gestrigen Tag verschlafen. Wenn ich das richtig sehe, hat jetzt so eine halbe Ferienphase begonnen, weil das russische Weihnachten am 07.01 ist und die Tage zwischen Neujahr und dem 07.01 nur halbherzig als normale Arbeitstage betrachtet werden. Ob ein Geschäft aufhat, ist reine Glückssache, insofern war es dann gestern (natürlich), aber auch heute,  schwieriger, offene Supermärkte oder etwas zu essen zu finden. Ich habe dann aus Spaß an der Freude den Abend mit einem langen Spaziergang beschlossen, war bestimmt meine 3-4h unterwegs und bin durch die menschenleeren Straßen gelaufen. Gerade so eine 8-spurige Hauptverkehrsader ist besonders beindruckend, wenn gar kein Auto drauf fährt. Inzwischen kenne ich hier auch die meisten großen Coffeeshop-Ketten, neben Starbucks gibts auch drei lokale Franchiste-Unternehmen, die ganz nette Angebote haben (aber grundsätzlich viel zu teuer sind). Ich kann aber einen Double Cappucino mit Vanille empfehlen, absoluter Hammer! Nicht besonders Moskau bezogen, aber trotzdem.

Heute habe ich mich dann auf den Weg ins Moscow Museum of Modern Art (MMOMA) gemacht – eine Institution, die definitiv interessanter als das Nationale Kunstmuseum war. Zufälligerweise hat es heute auch keinen Eintritt gekostet, sodass ich wirklich lange, ausgiebig und mit einem guten Gefühl des Budgetsparens die Ausstellung genießen konnte. Hier sind mir im Vergleich zum anderen Museum viele Sachen im Gedächtnis geblieben, insbesondere eine Installation von mehreren Kunstwerken, die komplett im Dunkel lagen und wo man aufgefordert wurde, mit dem Licht vom Handy die Werke zu bestrahlen. Bei einem Werk hat man immer wieder geisterartige Gestalten entdeckt, was sehr gruselig mit Musik unterlegt wurde. Auch aufgefallen ist mir mal wieder, dass die gesamte Kunst sehr bürgerlich ist, was mich zu einem kleinen Exkurs kommen lässt:

Moskau scheint einen sehr seltsamen und indifferenten Umgang mit seiner Sowjet-Vergangenheit zu haben. Einerseits prägen die Zeichen des Stalinismus das gesamte öffentliche Bild, überall sind Hammer und Sichel zu sehen, Inschriften prägen einen positiven Bezug auf Revolution, Lenin und Stalin, die Abkürzung CCCP ist überall zu finden. Andererseits scheint auf intellektueller Ebene die Sowjetzeit komplett rausgedrängt zu werden: es gibt kaum (kritische oder unkritische) Auseinandersetzungen, sondern die Zeit wird schlichtweg nicht thematisiert bzw. überhaupt als existent wahrgenommen. Denkmäler (wie das Denkmal der Opfer von Totalitarität an dem Lubjanka-Platz) bedienen gängige Extremismustheorien, Kunstkritik bewegt sich auch darin, ohne Alternativen aufzuzeigen. Insofern bin ich auch auf meinen morgigen Besuch des Gulag-Museums gespannt, das heute leider geschlossen war.

Nach dem MMOMA bin ich etwas durch das reiche Viertel von Moskau geschlendert, keine Ahnung, was das genau war und habe mir einige Kaufhäuser und Passagen von Innen angesehen. Ich habe das schon erwartet, aber der Pomp war wirklich unglaublich. Es scheint eine wirklich reiche russische Oberschicht zu geben, die sich da zentriert. Soviele hochwertige Autos und SUVs habe in Berlin nie auf der Straße gesehen und auch die Zentrierung von Labels und Marken ist mir so nicht bekannt. Hier müssen Milliarden über die Ladentheken gehen, wahrscheinlich stellvertretend für das “Reich” in der Arm-Reich-Schere auf wenigen Quadaratkilometern für das gesamte Land. Lustigerweise wurde ich (mit zerschlissener Mob-Action-Jacke und DDR-Schal und KIK-Mütze) als reicher Ausländer identifiziert – und wurde zu einer exklusiven Führung durch die Bentley-Verkaufsräume eingeladen. Fahren konnte ich leider nicht (weil kein internationaler Führerschein dabei), aber schon alleine das Aufheulen des Motors in einer Limousine hat mich beeindruckt. Ziemlicher Luxus, diese Neuwagen. Trotzdem, ich bin mit meinem Opel Astra F Caravan sehr zufrieden. Ein Wechselbedürfnis habe ich noch nicht. Vielleicht irgendwann …

Der Tag endet für mich mit einem Besuch im Gorki-Park (jaja, der von den Scorpions), wo eine große Eislaufstrecke aufgebaut wurde. Der Eingang sieht aus wie ein dickes, aber kleines Brandenburger Tor und der ganze Park definierte sich im Grunde über die Eislaufveranstaltung, die angenehm ruhig, also ohne die für mich aus Berlin so typische Alpenpopmusik, ablief und ihren Soundtrack aus Hundebellen, Kinderlachen und das Kratzen der Schlittschuhe bezog. Schöner Tagesabschluss auf jeden Fall, mit tollem Blick auf die Moskwa.

Ich bereue es übrigens ganz böse, mein iPhone zuhause gelassen zu haben. Es ist wahrscheinlich immer noch das sicherste, aber mir fehlt meine Musik unglaublich und auch die Möglichkeit, Notizen zu machen habe ich schon mehrmals schmerzlich vermisst. Andererseits würden die Artikel hier wohl mit diesen Notizen ewig lang werden, bei den ganzen Erkenntnissen und Beobachtungen, die ich habe – und eigentlich liest das ganze hier doch eh keiner, oder?

 

Happy New Year. Wo alle in Deutschland noch warten, ist hier schon 2012 angebrochen (mal wieder das letzte Jahr vor dem Weltuntergang). Also: Vorsätze abschaffen, Gefängnisse aufbrechen und die Weltrevolution dancen.

 

 

Ich glaube, ich beschränke mich heute wieder ein bisschen aufs Kurze. Der Morgen startete viel zu früh für die meisten, mein Mitbewohner war noch nicht mal wieder nüchtern – darum wurde morgens gen der Moskauer Universität mehr gewankt als gegangen. Das Scheißding hatte aber zu bzw. als Touristen durften wir nicht rein. Das hat mich ziemlich angepisst, weil ich mir davon sehr viel erwartet habe und das Hauptgebäude auf einem Berg über Moskau nicht zuletzt auch einen großartigen Blick über die Stadt geboten hätte. Irgendwie hat mir dann auch der restliche Tag (ein weiterer “Jugendclub”, der uns Willkommen hieß) nicht so wirklich die Laune aufgehellt.

Lichtblick war ein kleiner Ausflug in einen Hinterhof, in dem sich einige Leute ein kleine Künstlerwerkstatt mit Galerien und Läden aufgebaut hatten, die ganz nette Sachen dabei hatten. Da gabs dann wirklich Kunst, die mir gefallen hatte, die aber deutlich internationaler/westlicher geprägt war. Obwohls mir ein sehr simples Werk angetan hat – die Soldaten, deren Sterne von den Mützen ins Firmament wandern bzw. sich dort einordnen.

Ansonsten kann ich nur einige Fesstellungen über Moskau wiederholen bzw. neu anmerken:

  • Die Moskauer Bevölkerung scheint fast nur aus Kindern bis 13 und Erwachsenen ab 30 zu bestehen. Von der Zwischengeneration sieht man nur sehr wenig. Das verwirrt mich, und so richtig kann ich mir das noch nicht erklären.
  • Ganz Moskau hat wenig Street-Art und noch weniger politische Sticker oder sowas. Alles ist “sauber”, sowohl die Bahnen als auch jede Wand. Selbst in den Randgebieten.
  • Es gibt auch kaum Fahrradfahrer. Der Verkehr macht das auch logisch, die Autofahrer sind einfach verrückt hier. Außerdem kann man das Fahrrad nicht mit in die Metro nehmen. Aber mir ist das aufgefallen, weil die Menschen sich für Busse in riesigen Schlangen anstellen und die Busse nur gefühlte 2m/Minute vorankommen – mit Fahrrädern wäre man da deutlich besser dran.

Soviel zu Gedanken und Tag. Morgen werde ich sicher nichts oder nicht viel schreiben, ich melde mich dann vielleicht am Neujahresabend länger wieder.

 

Der Vodka hat gewirkt, das Aufstehen war für alle eine Qual (inkl. mich, der unter dem Gezeter der Dröhnschädel litt) – dem soll heute abgeholfen werden: es wurden gleich zwei Flaschen gekauft. Ich bin gespannt, wie dieses Experiment der Humanalkoholie sich entwickeln wird.

Auch heute sind alle geschafft vom Tag. Lange Metrofahrten, viele Fußmärsche und ein anstrengendes Programm forderten bisher ihren Tribut. Angefangen hat der Tag mit einer Art Nationalgalerie, in der verschiedene Epochen der russischen Kunst gezeigt wurden. Etwas seltsam dabei: die russische Kunstgeschichte scheint 1917 aufzuhören, die gesamte Sowjetzeit schien aus dem Programm eleminiert zu sein. Wie immer in solchen Ausstellungen: man geht rum, bestaunt die Werke, weiß aber zwei Räume weiter nicht mehr, was man eigentlich gerade gesehen hat. Einige Werke blieben in Erinnerung, weil sie besonders intensive Szenen, vor allem aus den diversen russischen Schlachten, in überraschend kritischem Kontext darstellten. Aber der Großteil der  Gemälde, vor allem Porträts und Landschaftsaufnahmen, rauschte so vorbei.

Danach ging es auf einen kurzen Spaziergang. Die russischen Straßen sind wirklich möderisch. Nicht nur wurde ich nun mehrmals fast angefahren, heute wurden wir auch Zeuge, wie rücksichtlos zweimal ein Hund überrollt wurde. Mir klingt das schmerzerfüllt Heulen und Wuffen/Grunzen der Bulldogge immer noch in den Ohren nach, dieses Erlebnis hat mir echt den Tag versaut. Der Hund hat es (erstmal) überlebt und wurde von einem freundlichen Autofahrer dann anscheinend Richtung Krankenhaus gefahren.

Weiter ging es zu einem Kunstwerk, was mich wirklich beeindruckt hatte. Mitten in einem Park stand eine Reihe von Metallstatuen, die die Geißeln der Menschheit darstellten. Sie streckten ihre Hände nach zwei Kindern in ihrer Mitte aus, die “Blinde Kuh” spielten. Wirklich enorm genial dargestellt.

Ansonsten: Staubeobachtung, Kreml und noch ein Jugendclub mit HipHop und Breakdance. Wieder mit extra gesicherten Community-Zentren. Morgen geht’s dann in die Universität, ein wohl hochgesichertes Gebäude, weil die russische Regierung wohl enorm Angst hat, dass ihre Elite weggebombt wird. Mal sehen, wie nah wir rankommen. Vielleicht schaffe ich es ja außerdem, die ganzen Schlafmützen hier zu bewegen, nochmal den Arsch hochzubewegen – ich würd gerne ein bisschen Moskauer Nachtleben mitbekommen und das doch sehr beengte Hostel vermeiden. Aber das steht noch in den Sternen.

 

 
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